Länder Guide Ernen

Ernen – ein Urlaubsort mit Zauberwald
Das Dorf Ernen liegt auf einer Höhe von 1.196 Meter im schweizerischen Kanton Wallis (Bezirk Goms) am Oberlauf der Rhone, die in der Sprache des Tales (Walliserdeutsch) als "Rotten" bezeichnet wird.

Auf einer Gemeindefläche von 35,4 Quadratkilometer leben nur ca. 550 Einwohner in den Ortsteilen Ernen, Niederernen, Ausserbinn, Mühlebach und Steinhaus. Ernen ist mit der Eisenbahn, dem Postbus oder dem Auto gut zu erreichen. Der Ort liegt verkehrsmäßig günstig zwischen den Pässen Furka, Grimsel, Nufenen und Simplon, zwei kleinere Übergänge (Griess- und Albrunpass) führen über die Berge direkt nach Italien.

Aufgrund dieser bevorzugten Lage war Ernen eine sehr lange Zeit bis zu dem Bau der Eisenbahnlinie ein bedeutender Handels- und Umschlagplatz, heute ist der Tourismus (Wandern, Mountainbiken, Skifahren) die wichtigste Einnahmequelle.

Den früheren Reichtum des Ortes belegen die prächtigen Häuser im Dorfkern mit ihren geschmückten Fassaden. Für den Erhalt dieser alten Dorfkultur erhielt Ernen vom schweizerischen Heimatschutz im Jahr 1979 den Henri-Louis-Wakker-Preis. Zu einem ersten Kennenlernen des Dorfes werden für Besucher nach Anmeldung jeden Dienstag kostenlose Dorfführungen angeboten, die je nach Bedarf auch in englischer, französischer oder holländischer Sprache durchgeführt werden können.

Das markanteste Bauwerk in Ernen ist die barocke Pfarrkirche St. Georg. Sie wurde in den Jahren 1510-18 auf den Überresten einer Basilika aus dem 10. Jahrhundert errichtet. Im Inneren enthält die Kirche eine Pieta (14. Jahrhundert), den Nothelfer-Altar (15. Jahrhundert), einen Taufstein (1679), Chorstühle (1666), einen gotischen Flügelaltar und den Hochaltar aus dem Jahr 1761. Als besondere Kostbarkeit gilt die von Christopher Aebi 1679 erbaute Orgel, von der es nur noch drei Exemplare gibt.

In der Pfarrkirche werden auch die Konzerte des Musikdorfes Ernen aufgeführt, das 1974 von dem Pianisten Professor György Sebök als Meisterkurs für Klavier und Kammermusik gegründet wurde und europaweit Beachtung findet.

Bei einer Dorfführung kann man zusätzlich das Kirchenmuseum unter dem Hochaltar in der Krypta besuchen. Sehenswerte sakrale Bauten sind ebenfalls die Kapelle Maria Hilf (1690-1709), die Antonius-Kapelle in Niederernen (1684), die Theodulskapelle in Ausserbinn und die St. Josefskapelle in Mühlebach (1676).

Zu dem außergewöhnlichen und preisgekrönten Dorfbild tragen besonders die Fassaden der historische Gebäude bei. Dazu gehören Pfarrhaus (1438), Schulhaus (1538), Kapuzinerhaus (1511), Kaplaneihaus (1776), Matthäus-Schiner-Haus (1603) und St.-Georg-Haus (1629).

Das Tellenhaus (1578) zeigt die ältesten Tellfresken der Schweiz, im Sigristen-Jost-Haus (1580) ist ein Heimatmuseum untergebracht und das Rathaus (1762) beherbergt im Keller ein Verlies und eine Folterkammer. Von hier aus wurden früher die Verurteilten zur Hochgerichtsstätte des Bezirks Goms geführt. Als einziger Galgen in der Schweiz sind in Ernen alle drei Originalsäulen erhalten geblieben.

Der Ort hat aber auch wesentlich angenehmere Ausflugsziele zu bieten wie die Dorfsägerei, die Mühle Bonacher, den Kalkofen oder die "Kännel" (Wasserkanäle).

Ein besonderes Erlebnis für Kinder ist der Zauberwald auf dem Wasen zwischen Ausserbinn und Ernen; mit Tannenzapfenbahn, Schaukelbaum und Hängebrücke können die Besucher Natur pur erleben und sich danach auf den Grillplätzen erholen – einfach zauberhaft.