Länder Guide Tournai

Tournai (fläm. Doornik) erstreckt sich zu beiden Ufern der Schelde (franz. Escaut) nahe der belgisch-französischen Grenze.

Als Verwaltungssitz eines Arrondissements, Bischofssitz sowie Sitz einer Industrie- und Handelskammer und eines Gerichtshofes ist Tournai von überregionaler administrativer und kultureller Bedeutung und besitzt bedeutende Industrien.

Zu den hervorzuhebenden kulturellen Einrichtungen zählen insbesondere mehrere große Museen und Bibliotheken sowie das bischöfliche Seminar. Vom Glanz der alten Fürstenresidenz und Bischofsstadt zeugen noch ansehnliche, meist wiederaufgebaute Bauwerke, von der im Mittelalter berühmten Malschule wurden die meisten Werke jedoch 1566 durch die Bilderstürmer vernichtet. Zementwerke, Maschinenbaubetriebe, Nahrungsmittelindustrie und die traditionelle Textilindustrie, insbesondere Teppichweberei, sind die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt, die seit jeher auch der wichtigste Marktort für das umliegende Agrargebiet ist.

Tournai ist nach Tongeren die älsteste Stadt des Landes. Nach einer schrecklichen Pestepidemie im Jahr 1092 führte Bischof Radbod die große Marienprozession ein, die seitdem ununterbrochen beibehalten wurde und alljährlich am zweiten Sonntag im September abgehalten wird. Dabei werden der Schrein des heiligen Eleutherius und andere Stücke des Kirchenschatzes durch die Straßen getragen.

Schöne weltliche Feste sind die "Fête des Rois" am Montag nach Dreikönig mit Umzug und Kaninchenessen und vor allem die "Quatre Cortège" am zweiten Juniwochenende, deren Höhepunkt ein Riesenumzug mit historischen Figuren ist. Am Karfreitag wird entlang der Schelde ein bunter Blumenmarkt abgehalten.

Weithin sichtbar erheben sich über den Dächern von Tournai die fünf Türme der Cathédrale Notre-Dame (Liebfrauenkathedrale), das Juwel der Stadt, bedeutendstes kirchliches Bauwerk Belgiens, eines der schönsten Beispiele der romanischen Architektur in Westeuropa, Beginn und Höhepunkt der Kirchenbaukunst im Scheldegebiet.

Die heutige Kathedrale, eine kreuzförmige Pfeilerbasilika mit annähernd gleich großem Langhaus und Chorraum, Kapellenkranz und fünfgliedriger Turmgruppe, steht am Ort merowingischer und karolingischer Vorgängerbauten und wurde 1171 geweiht. Zu diesem Zeitpunkt waren das romanische Langhaus, das Querschiff sowie der auf dessen Pfeilern ruhende, 83 m hohe Mittelturm fertiggestellt. Bis zum Ende der Arbeiten im Jahr 1325 kamen die vier übrigen Türme, die Abschlüsse des Querhauses und vor allem der riesige gotische Chorraum, der in den Jahren 1243-1255 gebaut wurde, hinzu.

Vor die Hauptfassade aus dem 14. Jh. wurde im 16. Jh., noch im gotischen Stil, eine Vorhalle gebaut. Vor den hier zu sehenden schönen Relieffiguren entstanden die in der unteren Reihe (Propheten, Kirchenlehrer, Adam und Eva) im 14. Jh., die oberen Reihen (Prozessionsszene und Kampf Chilperichs gegen seinen Bruder Sigbert) im 16./17. Jh.. Der Mittelpfeiler trägt die Figur der "Notre-Dames des Malades" (14. Jh.). Ferienhäuser Tournai und Ferienwohnungen Tournai sind einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere Umgebung.