Länder Guide Persönlichkeiten Birgitta Birgersdotter

Die heilige Birgitta 700 Jahre - eine weltberühmte Schwedin:
Im Jahr 2003 sind die Augen der katholischen Welt auf Schweden und Vadstena gerichtet. Es sind nämlich genau 700 Jahre seit der Geburt des kleinen Mädchens vergangen, das später zur heiligen Birgitta wurde. Sie ist nicht nur die einzige Heilige Schwedens, sondern hat sich im Laufe der Zeit auch zu einer der weltweit bekanntesten Schwedinnen entwickelt. 1999 wurde Birgitta von Papst Johannes Paul zu einer der sechs Schutzheiligen Europas ernannt.

Birgittas Leben und Wirken sind auch heute noch in guter Erinnerung, weil ihre Lebensgeschichte in der Kanonisationsakte ausführlich aufgezeichnet wurde, die der Heiligsprechung im Jahre 1391, nur wenige Jahrzehnte nach ihrem Tod, zugrundelag. Hunderte erhaltener Gemälde, Skulpturen und Stickereien sowie die ständig aktualisierte Forschungsarbeit über ihre Person und ihr Lebenswerk sorgen dafür, dass ihr Bild als Heilige nicht verblasst. Ein Beleg dafür, wie stark sie sich im Lauf der Zeit im Bewusstsein des Volkes verankert hat, ist der schwedische Ausdruck "brittsommar", auf Deutsch "Altweibersommer", für die warmen Herbsttage, die häufig im Zeitraum des Birgitta-Tages am 7. Oktober auftreten.

Birgitta Birgersdotter wurde auf dem Hof Finsta in der schwedischen Provinz Uppland geboren. Die Geburt war ein besonders glückhaftes Ereignis, da ihre Mutter kurz vor der Entbindung noch fast durch Ertrinken verunglückt wäre. Birgitta war die Tochter des Ritters und Reichsrates Birger Persson, der einer der Reichsten im Lande war, und seiner Frau Ingeborg, die aus dem bekannten Folkunga-Geschlecht stammte. Die Familie war vermögend und gebildet. Birgitta erhielt eine standesgemäße Ausbildung und lernte sowohl Lesen als auch Schreiben, was für Mädchen im 14. Jahrhundert nicht gerade üblich war.

Achtfache Mutter mit internationaler Perspektive
Birgitta war eine für ihre Zeit ausgesprochen starke und engagierte Frau. Im ersten Teil ihres Lebens brachte sie acht Kinder zur Welt und lebte seit ihrem 14. Lebensjahr in glücklicher Ehe mit ihrem Mann Ulf Gudmarsson zusammen. Wenn sie sich nicht um Kinder und Haushalt kümmerte, war sie Hofdame bei König Magnus Eriksson und seiner Frau Blanka, denen sie mit ihren moralischen Ansichten so häufig Verweise erteilte, dass das Königspaar ihrer schließlich überdrüssig wurde.

Später, als die Kinder aufgewachsen waren und Birgitta Witwe geworden war, beschäftigte sie sich mit internationalen religiösen und politischen Fragen. Im Hundertjährigen Krieg versuchte sie Frieden zwischen Frankreich und England zu stiften, sie kritisierte Könige und Kloster und forderte, dass der Papst aus dem französischen Avignon wieder nach Rom zurückkehren sollte.

Es gibt viele verschiedene Ansichten über Birgitta - für einige war sie eine Heilige, für andere leicht verrückt. Sie hatte ein lächelndes Gesicht, sagte ihre Dienerin, während August Strindberg sie "Hexenweib und Emanzipasissa" nannte. Der Schriftsteller Werner von Heidenstam sah in ihr einen unbarmherzig harten und verschlossenen Menschen, der alles für seine große Tat opferte.

Der Klosterorden
Bereits als Kind hatte Birgitta ihre ersten Erscheinungen, und sie entschloss sich, ihr Leben auf geistliche Werte auszurichten. Einmal erschien ihr Gott in der Kirche von Vadstena und bat sie, an dem Ort ein Kloster zu gründen. In ihrer Ordensregel schrieb sie vor, dass Frauen und Männer zusammenarbeiten und eine gemeinsame Kirche besuchen, aber getrennte Häuser bewohnen sollten - eine an sich ungewöhnliche Regel in der damaligen Zeit. König und Königin stellten ihr die alte Königsburg von Vadstena zum Umbau zur Verfügung. Aber Birgitta durfte ihr fertiges Kloster nie selbst erleben. Sie starb 1373 in Rom. Das Kloster von Vadstena wurde erst 1384 eingeweiht.

Birgittas Erbe lebt weiter
Heute sind die Birgitta-Schwestern in Schweden an drei Orten vertreten - in Vadstena, Falun und Djursholm bei Stockholm. In Vadstena leben 11 Nonnen, die das Erbe der Birgitta weiter leben lassen. Dort steht u. a. das beliebte Gästehaus des Klosters am Ufer des Sees Vättern allen zur Verfügung, die einige Tage der Entspannung in herrlicher Stille erleben möchten. Außerhalb von Schweden gibt es verschiedene Formen des Birgitta-Klosters, z. B. in Finnland, Indien, Italien, Mexiko und den USA.

Birgittas Erbe liegt auch in den Händen der Birgitta-Stiftung, einer ideellen Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das reiche Kulturerbe zu bewahren, das durch Birgittas Leben und Wirken entstanden ist. Die Vereinigung veranstaltet z. B. Symposien, ist zuständig für ein kulturhistorisches Museum in Vadstena, verleiht alljährlich den Birgitta-Preis und nimmt jeden Interessenten gern als Mitglied auf.

Birgitta und die Provinz Östergötland
Die heilige Birgitta und die Region Östergötland sind eng mit einander verbunden. Archeologen vom Landesmuseum Östergötlands untersuchen zur Zeit die beiden Höfe, auf denen sie gewohnt hat, um neue Erkenntnisse zu erarbeiten.

Der erste Hof namens Aspanäs liegt auf einer Halbinsel im See Sommen. Dorthin zog Birgitta zu ihrer Tante nach dem Tod der eigenen Mutter. Hier befinden sich mehrere Holzhausfundamente und in der Mitte die mit Stein eingefasste Birgitta-Quelle. Die Archeologen haben erst kürzlich die Reste einer alten Hofschmiede aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. Ein schöner Pfad führt den Besucher nach Aspanäs bei Boxholm.

Als Ehefrau wohnte Birgitta auf dem Hof Ulvåsa, der auf der Birgitta-Landzunge im See Boren liegt. Der Hof brannte ab, und auf Wunsch Birgittas wurde dort ein neues Haus gebaut, der so genannte Althof (Gammelgården), dessen erst vor kurzem entdecktes Fundament das Interesse der Archeologen geweckt hat. Ulvåsa liegt in der Nähe von Motala.

Nach ihrem Tod 1373 in Rom wurden die sterblichen Reste der Birgitta aus Italien durch Europa zum Bestimmungsort Vadstena überführt. Dort ruht sie noch heute, und ihr Schrein kann von allen Besuchern in der "Blauen Kirche" (Blåkyrkan), der alten Klosterkirche von Vadstena, betrachtet werden.