Länder Guide Hardangervidda

Die mehr als 9.000 Quadratkilometer umfassende Hardangervidda, die sich in einer durchschnittlichen Höhe von 1000-1200 m mit unzähligen kalt funkelnden Seen und mäandrierenden Wasserläufen in den Raum spannt und nur hier und da von flachen Bergrücken überragt wird, ist Europas größtes Hochfjellplateau.

Vollkommen baumlos und menschenleer eröffnet sie unserer Vorstellung von Weite und Einsamkeit ganz neue Dimensionen, die sich insbesondere dem Wanderer mitteilen, der hier eine außerordentlich gute Infrastruktur vorfindet. Schon im Jahr 1879 errichtete der DNT auf dieser Hochfläche die erste Wanderhütte, und heute verbindet ein dichtes Netz von über 1200 km markierten Wanderwegen die mehr als drei Dutzend Wanderhütten miteinander.

Der größte Teil dieser Hütten, von denen auch zahlreiche bewirtschaftet sind, werden innerhalb des 1981 eingerichteten Nationalparks Hardangervidda unterhalten, der eine Fläche von 3.430 Quadratkilometer umfasst und ringsum von weiteren Landschaftsschutzgebieten umgeben ist.

Vor allem der Nordteil des Parks ist ausgezeichnet erschlossen, und so mancher Pfad folgt den Trift- und Handelswegen, die sich schon seit uralter Zeit über die Vidda ziehen und in den letzten Jahrhunderten noch teilweise eine Rolle für die Almwirtschaft spielten.

Noch heute werden mehrere "seter" betrieben, und im Sommer grasen etwa 30.000 Schafe, 2.000 Ziegen und 1.000 Rinder neben den geschätzt etwa 12.000 Wildrenen, die ganzjährig auf dem Hochplateau leben.

Aus vorhistorische Epochen, während derer die Vidda wahrscheinlich sogar von Nadelwald bedeckt war (wie aus Baumstamm-Funden in den Hochmooren gefolgert wird), konnten bislang über 250 bis 7000 Jahre alte Wohnplätze gefunden werden. Heute liegt das gesamte Areal weit oberhalb der Baumgrenze, präsentiert sich aber im Sommer, wenn die Fjellflora "explodiert", ganz und gar nicht als die öde Felssteppe, die man in dieser Höhenlage vermuten könnte.

Über 450 Pflanzenarten wurden registriert, darunter auch mehrere arktische Arten, die weiter südlich nicht mehr anzutreffen sind. Allein auf dem rund 20 km langen Abschnitt zwischen Litlos und Hadlaskar, der aus botanischer Sicht interessantesten Wanderstrecke, kommen über 200 verschiedene Arten vor, während um die Dyranut-Hütte herum in einem rund 100 Quadratkilometer großen Areal 174 Blütenpflanzenarten, 15 Moosgattungen und Farne aus insgesamt 16 verschiedenen Arten gefunden wurden.

Viele der 114 registrierten Vogelarten, als deren seltenste die Schnee-Eule gilt, sind im Bereich des Langavassmyra südlich der Bjoreidalshytta zu finden, und nicht weniger als 10 Vogelarten (Gerfalke, Sumpfläufer, Odinshühnchen, Ohrenlerche und viele mehr) haben mit der Vidda ihre südlichste Verbreitungsgrenze. Die Säugetiere sind in Anbetracht der extrem abiotischen Klimabedingungen im Winter eher spärlich vertreten. Ferienwohnungen Hardangervidda und Ferienhäuser Hardangervidda sind beliebt.