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Reisebericht Dänemark

Südliche Nordseeküste 1

Unendliche Weite. Das Meer rauscht. Möwen kreischen. Draußen wirbeln die Frühjahrsstürme den weißen Sand auf. Drinnen, im Haus am Meer, ist es warm und gemütlich. Gibt es etwas Schöneres, als nach einem langen Spaziergang am Strand, der den Kopf frei und die Beine müde gemacht hat, in der Sauna Wärme zu tanken - ganz entspannt? Hektik ist dann nur noch ein Fremdwort aus einer anderen Welt. Ein Begriff, der keinen Sinn macht. In Blåvand an der südlichen Nordsee, wenige Kilometer nördlich von Esbjerg und von der deutsch-dänischen Grenze in einer knappen Autostunde auf neu ausgebauten Straßen sehr gut zu erreichen, muss man die Welt, aus der man kommt, hinter sich lassen.

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Südliche Nordsee

Blåvand, der Ort des blauen Wassers, läßt einem keine andere Wahl. Und genau so soll es ja auch sein. In dem ehemaligen Fischerdorf an der Westküste Jütlands steht die Zeit still, obwohl sich auch hier die Dinge hin und wieder verändern. Aber die Menschen an der Küste, ein freundlicher, zurückhaltender Schlag, wissen, dass nicht sie die Stärkeren sind, sondern die Natur. Weit und breit, Kilometer um Kilometer, nicht viel mehr als Dünen, bewachsen mit stacheliger Heide.

Und dieser unglaublich breite Strand. Die Ferienhäuser, die sich in der weiten Landschaft verlieren, ducken sich in das beeindruckende Panorama. Stundenlang kann man am Strand spazieren gehen, die Nase im Wind, ohne einem Menschen zu begegnen - außer sich selbst. Man kann nach Bernstein suchen oder Drachen fliegen lassen, die in der bewegten Luft zappeln, als wären sie wild geworden. Am Horizont ziehen große Pötte vorbei auf ihrem Weg die Küste hinauf Richtung Norden, bis zur Meerenge von Skagen. Die hölzernen Fischkutter von Hvide Sande, an deren Funkmast der Danebrog, die Nationalflagge flattert, nehmen Kurs auf Scholle, Seezunge, Dorsch oder Hering. Wer einmal am späten Abend am Wassersaum entlang gejoggt ist, wenn die Sonne im Meer versinkt und die Wolken am Horizont in allen Schattierungen der Farbe Rot aufleuchten läßt, wird mehr als fasziniert sein - und staunen.

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Selbst mit dem Fahrrad kann man sich auf dem harten Sandstrand Kondition anstrampeln. Wenn es sein muss, mit der ganzen Familie im Schlepptau. Wenn es ausnahmsweise doch einmal etwas Zivilisation sein soll, dann könnte man ja auch nach Hvide Sande fahren, einem der größten Fischerorte an der dänischen Westküste. Das Fischereimuseum zeigt, wie hart das Leben der Fischer noch vor siebzig Jahren war. Und wie gefährlich. Im Restaurant "Slusen" in der Bredgade 3 sollten unbedingt Scholle oder gefüllte Seezunge probiert werden. Die Zubereitung der Seezunge behält sich die Wirtin vor, ihr Mann plaudert inzwischen ein bisschen mit dem Gast - auch gern auf deutsch.

Natürlich muss man Esbjerg gesehen haben, die jüngste Stadt Dänemarks. Im Hafen riecht es sogar ein bisschen nach großer, weiter Welt: Von hier fahren die Fähren nach Newcastle im Norden Londons. Ein Abstecher nach Fanö muss ebenfalls sein, der alten Walfängerinsel mit der wunderhübschen Seefahrerkirche in Nordby, deren Kirchenschiff voller Schiffsmodelle hängt. Eine halbe Stunde dauert die überfahrt, soviel Zeit muss sein. Und am Abend könnte ein Besuch des brandneuen Musikhauses von Esbjerg auf dem Programm stehen, erst im vergangenen Jahr fertiggestellt und von Jörn Utzon entworfen, der auch das Wahrzeichen von Sydney gebaut hat, die sich fächerförmig öffnende Oper.

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Im Musikhaus mit seiner gekachelten Außenfassade singen nicht nur die Stars der internationalen Opern-Szene: Tom Jones ist hier auch schon aufgetreten, und Bill Wyman, Ex-Bassist der Rolling Stones, mit seiner Blues-Band. Blåvand eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Aktivitäten. Blåvand ist viel mehr als ein kuscheliges Hideaway für Verliebte und solche, die es noch werden wollen. Blåvand ist der ideale Ort für Familien. Niemand stört niemanden, hier ist Platz für jeden und - beinahe - alles. Viel Platz, viel Spaß - und Komfort muss nicht teuer sein. Große Häuser, mit Sauna, großer Wohnküche, vier Schlafzimmern und jede Menge Raum zum Spielen und sich Wohlfühlen sind in der Nebensaison schon ab 1000 Mark pro Woche zu haben.

Der ganz besondere Luxus, in einem modernen Haus in den Dünen und trotzdem direkt am Strand zu wohnen, hat natürlich seinen Preis. Aber selbst in der Hochsaison ist ein Ferienhausurlaub, gemessen an der möglichen Zahl der Gäste im Haus, gegenüber allen anderen Urlaubsformen im Vorteil. Nicht zuletzt dadurch, dass man durch Selbstverpflegung seine Ferienökonomie auch selbst bestimmen kann.

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In Blåvand wurden in den letzten Jahren einige dieser Häuser gebaut: elegant, modern, mit allem Komfort und trotzdem romantisch. Weil die Grundstücke eine bestimmte Größe nicht unterschreiten dürfen, liegen die Häuser in jedem Fall soweit auseinander, dass für sich bleiben kann, wer ungestört seine Tage verbringen will. Einzigartig ist Blåvands Huk, eine Landzunge, die sich hinter dem eigentlichen Ort ins Meer reckt, der westlichste Punkt Dänemarks. Der Leuchtturm, der hier 1901 errichtet wurde, weist mit seiner Höhe von 39 Metern unübersehbar den Weg zur westlichsten Pølsevogn, also Wurstbude, des Königreiches, gleich neben dem Turm. Und wieder Sand, überall Sand. Er kriecht in alle Ritzen, füllt jeden Hohlraum, knirscht zwischen den Zähnen: Sand ist das Kapital von Blåvand - und manchmal auch eine Plage. Hin und wieder ragen die kahlen äste von alten Eichen aus den Dünen bei Blåvands Huk - begraben unter Sand, den der Wind vor sich her treibt. Wer genug von dem ganzen Sand hat, kann ihn sich im Blåvands Huk "Idrætscenter", wie auf dänisch die Sportzentren heißen, aus den Poren waschen. Das Schwimmbad hat immerhin die längste Wasserrutsche der dänischen Nordseeküste zu bieten.